Kann man die 7‑Jahres-Frist bei der Über­tra­gung an die Holding irgendwie umgehen?

Kann man die 7‑Jahres-Frist bei der Über­tra­gung an die Holding irgendwie umgehen?

Bei einem Unter­neh­mens­ver­kauf verschafft dir eine Holding einen Steu­er­vor­teil in Höhe von 25 Prozent­punkten: Statt bis zu ca. 26,5 Prozent im Privat­ver­mögen werden in der Holding auf den Verkaufs­erlös nur 1,5 Prozent Steuern fällig.

Um in den vollen Genuss dieses Steu­er­vor­teils zu kommen, müssen die zu verkau­fenden Anteile wenigs­tens sieben Jahre im Besitz der Holding gewesen sein. Wird diese 7‑Jahres-Frist nicht erreicht, verrin­gert sich der Steu­er­vor­teil um ein Siebtel für jedes fehlende Jahr. Mit dieser Frist und Über­gangs­regel soll verhin­dert werden, dass kurz vor einem Unter­neh­mens­ver­kauf schnell noch eine Holding zwischen­ge­schoben wird.

Bei einem Verkauf der Anteile kann diese Frist nicht umgangen werden. Aber neben einem Anteils­ver­kauf gibt es noch eine weitere Möglich­keit, einen Käufer zu betei­ligen: die Kapi­tal­erhö­hung. Statt einem Käufer Anteile am bestehenden Stamm­ka­pital zu verkaufen, wird das Stamm­ka­pital um genau dasje­nige Kapital erhöht, das der Käufer über­nehmen will.

Ein Beispiel: Das Stamm­ka­pital der GmbH beträgt 25.000 Euro in Form von 25.000 Anteilen zu je 1 Euro. Diese 25.000 Anteile sind durch­num­me­riert und haben beispiels­weise die Nummern 1 bis 25.000. In der Liste der Gesell­schafter der GmbH steht, wem diese Anteile gehören. Möch­test du jemanden zu 50 Prozent an dieser GmbH betei­ligen, kannst du 12.500 von deinen Anteilen verkaufen oder das Stamm­ka­pital wird um 25.000 Anteile zu je 1 Euro erhöht und der Käufer über­nimmt diese neuen Anteile. In beiden Fällen verkauft der Käufer hinterher über genau die Hälfte des Stamm­ka­pi­tals. Soll der Käufer hinterher über 90 Prozent der Unter­neh­mens­an­teile verfügen, muss das Stamm­ka­pital um 225.000 Anteile zu je 1 Euro erhöht werden. Da bei der Kapi­tal­erhö­hung neue Anteile geschaffen werden, wird die 7‑Jahres-Frist für den Verkauf von Anteilen nicht berührt. 

Da du bzw. deine Holding bei der Kapi­tal­erhö­hung keine Anteile verkaufst, geht der Kauf­preis an deine GmbH, nicht an dich oder deine Holding. Über das Heben stiller Reserven kann die GmbH dann aber einen entspre­chenden Gewinn ausweisen, den sie dann an deine Holding als Gesell­schafter ausschütten kann.

Über den Weg der Kapi­tal­erhö­hung ist kein voll­stän­diger Unter­neh­mens­ver­kauf möglich – schließ­lich hält deine Holding weiterhin das ursprüng­liche Stamm­ka­pital. Nach Ablauf der 7‑Jahres-Frist kann deine Holding dann die verblei­benden Anteile mit vollem Steu­er­vor­teil verkaufen.

Fazit: Die 7‑Jahres-Frist kann umgangen werden, aber es dauert auch 7 Jahre, um sie für einen voll­stän­digen Unter­neh­mens­ver­kauf zu umgehen. Sowohl Käufer- als auch Verkäu­fer­seite müssen sich in der Zwischen­zeit auf eine Phase der gemein­samen Betei­li­gung einlassen. Bei großen Unter­neh­mens­werten ist der Steu­er­vor­teil der Holding aber auch so hoch, dass es sich lohnt, diese etwas komple­xere Option zu prüfen.

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