Wie du Geld aus der GmbH herausbekommst

Wie du Geld aus der GmbH herausbekommst

Als GmbH-Unternehmer*in kannst du entscheiden, wie du Geld aus dem Unter­nehmen ziehst und wie dieses Geld versteuert wird.

In diesem Artikel erfährst du, welche Optionen du hast, Geld aus der GmbH heraus­zu­holen und welche wann am besten ist.

Inhaltsverzeichnis 

Teure Flexi­bi­lität für Einzelunternehmer*innen

Ein häufiger Einwand von Einzelunternehmer*innen gegen die GmbH ist, dass sie bei der GmbH nicht so einfach an ihr Geld kommen. Es gefällt ihnen, dass sie bei ihrem Unter­nehmen unge­hin­dert in die Kasse greifen können.

Diese vermeint­liche Flexi­bi­lität fordert jedoch einen hohen Preis: Einzelunternehmer*innen können nur deshalb jeder­zeit Geld entnehmen, weil sie ohnehin alle Gewinne voll persön­lich versteuern müssen.

Ab einem persön­li­chen Gesamt­ein­kommen von über 60.000 Euro zahlen Einzelunternehmer*innen 42 Prozent Steuern – das sind 12 Prozent­punkte mehr als der Steu­er­satz der GmbH in Höhe von 30 Prozent. Anders ausge­drückt: Einzelunternehmer*innen zahlen im Spit­zen­steu­er­satz 40 Prozent mehr Steuern als eine GmbH (0,42 ÷ 0,30 = 140 Prozent).

Wahre Flexi­bi­lität mit der GmbH

Eine GmbH oder UG ist recht­lich von dir getrennt – selbst, wenn sie dir zu 100 Prozent gehört, ist es nicht dein Bank­gut­haben, sondern das der Gesell­schaft. So, wie du einer fremden Person nicht einfach in die Tasche greifst, soll­test du nie ohne vorhe­rige Verein­ba­rung Geld vom Geschäfts­konto auf dein Privat­konto über­weisen. Und auch nicht andersherum.

Als GmbH-Unternehmer*in bist du tatsäch­lich flexibel darin, wie du Geld aus dem Unter­nehmen ziehst und wie dieses Geld versteuert wird. Wie mit einer fremden Person kannst du mit der GmbH Verein­ba­rungen treffen, damit Geld zwischen dir und der GmbH fließt.

Dabei hängt die rich­tige Wahl der Verein­ba­rung von der Verwen­dung des Geldes ab. Im Grunde genommen gibt es nur zwei Dinge, die du mit dem Geld machen kannst: Entweder du konsu­mierst es oder du inves­tierst es.

Betrachten wir die drei gängigsten Optionen, mit denen du Geld aus der GmbH ziehen kannst, und bewerten sie auf ihre Eignung in Bezug auf Konsum und Investition:

Option 1: Über ein Gehalt

Du schließt einen Anstel­lungs­ver­trag mit der GmbH, z.B. für die Geschäfts­füh­rung, und verein­barst ein Gehalt. Wie bei anderen Ange­stellten auch führt die GmbH auf das Gehalt Lohn­steuer ab als Voraus­zah­lung deiner Einkommensteuer.

Deinen privaten Konsum musst du auch persön­lich versteuern. Entspre­chend sollte dein persön­li­ches Einkommen deinen Lebens­un­ter­halt decken und du soll­test dir als Gehalt so viel auszahlen, wie du noch zur Deckung deines Lebens­un­ter­halts benötigst.

Da persön­li­ches Einkommen höher besteuert wird als in der GmbH, soll­test du dir aber auch nicht mehr Gehalt auszahlen, als du für deinen Konsum benötigst.

Das bedeutet: Inves­ti­tionen soll­test du nicht aus deinem versteu­erten Einkommen finanzieren!

Option 2: Über Gewinnausschüttungen

Die wich­tigste Steu­er­regel der GmbH lautet: Keine Gewinn­aus­schüt­tungen an dich persön­lich. Denn Gewinn­aus­schüt­tungen werden doppelt besteuert: Der Gewinn wird erst auf Ebene der GmbH mit 30 Prozent besteuert und dann noch einmal bei Ausschüt­tung mit der Abgel­tungs­steuer und Soli in Höhe von 26,5 Prozent belegt. Damit liegt die Gesamt­be­steue­rung von Gewinn­aus­schüt­tungen bei knapp 50 Prozent und somit über dem Spitzensteuersatz!

Merke dir: Eine Gewinn­aus­schüt­tung an dich persön­lich ist die teuerste Option, Geld aus der GmbH zu ziehen. Darum soll­test du einen großen Bogen machen.

Wenn du die GmbH-Anteile jedoch nicht persön­lich, sondern über eine Holding hältst, zahlt die Holding auf die Gewinn­aus­schüt­tungen der Tochter-GmbH nur 1,5 Prozent Steuern. Voraus­ge­setzt, die Holding ist mit wenigs­tens 15 Prozent an der Tochter beteiligt.

Option 3: Über Darlehen

Darlehen sind die güns­tigste Option, Geld aus der GmbH zu ziehen: Denn wenn dir die GmbH das Geld nur leiht, musst du es persön­lich gar nicht versteuern.

Das Geld gehört ja noch immer der GmbH und nicht dir. Über Darlehen kannst du das nur in Höhe von 30 Prozent besteu­erte Einkommen der GmbH zu privaten Zwecken zu nutzen

Eine Grund­regel für gesunde Finanzen gilt auch hier: Darlehen der GmbH soll­test du nicht zur Finan­zie­rung deines Lebens­un­ter­halts oder privaten Konsums nutzen. Denn was konsu­miert ist, kannst du nicht wieder zurück-zahlen.

Mit einer Ausnahme: Hast du eine unvor­her­ge­se­hene größere private Ausgabe, kannst du ein Darlehen der GmbH aus Über­brü­ckung nutzen bis zur nächsten Erhö­hung deines Geschäftsführungsgehaltes.

Darlehen der GmbH eignen sich hervor­ra­gend als Finan­zie­rungs­in­stru­ment für deine privaten Inves­ti­tionen. Wenn du das Geld inves­tierst, tauschst du es gegen andere Vermö­gens­werte. Verkaufst du die Vermö­gens­werte später, kannst du auch das Darlehen zurück­zahlen und musst das Darlehen nicht aus versteu­ertem Einkommen tilgen.

Bei Darlehen unbe­dingt Fremd­üb­lich­keit beachten, um Straf­zah­lungen zu vermeiden

Es gibt bei Darlehen aber auch einige wich­tige Punkte zu beachten: Was Darlehen für dich so attraktiv macht, nämlich Geld aus der GmbH zu ziehen, ohne es persön­lich zu versteuern, macht es für das Finanzamt lukrativ, dir Fehler nachzuweisen.

Daher stehen Darlehen an Gesellschafter*innen bei einer Betriebs­prü­fung durch das Finanzamt weit oben auf der Prüfliste.

Das Finanzamt wird versu­chen nach­zu­weisen, dass die GmbH dir das Darlehen nur gegeben hat, weil du an der GmbH betei­ligt bist. In diesem Fall würde es als verdeckte Gewinn­aus­schüt­tung einge­stuft und entspre­chend besteuert (mit Abgel­tungs­steuer plus Soli in Höhe von zusammen 26,5 Prozent; siehe oben).

Je höher dein Einfluss auf die GmbH, desto miss­brauchs­an­fäl­liger sind Darlehen aus Sicht des Finanz­amtes. Wenn du die GmbH beherrschst, also die Mehr­heit der Anteile hältst und dazu noch Geschäftsführer*in bist, kannst du ein Darlehen ja im Allein­gang vereinbaren.

Im Umkehr­schluss musst du begründen können, dass die GmbH ein solches Darlehen auch jemand Fremdes gewährt hätte, der nicht an der GmbH betei­ligt ist. Je mehr Argu­mente du hast, dass dieser Fremd­ver­gleich erfüllt ist, desto mühse­liger machst du es der Betriebs­prü­ferin, dir eine verdeckte Gewinn­aus­schüt­tung nachzuweisen.

Hier findest du eine Anlei­tung, wie du fremd­üb­lich und rechts­si­cher Darlehen mit der GmbH verein­barst.

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