Warum empfiehlst du eine gewerb­liche und keine vermö­gens­ver­wal­tende Holding?

Warum empfiehlst du eine gewerb­liche und keine vermö­gens­ver­wal­tende Holding?

In meinem Buch „Weniger Steuern & mehr Vermögen“ empfehle ich, dass Unternehmer*innen zual­ler­erst eine gewerb­liche Holding haben sollten. 

In diesem Beitrag erfährst du, worin sich die verschie­denen Holdings unter­scheiden. Darauf aufbauend erläu­tere ich meine Präfe­renz zur gewerb­li­chen Holding und wann eine vermö­gens­ver­wal­tende Holding oder auch eine Immo­bi­lien-Holding für dich sinn­voll sein können. 

Was eine vermö­gens­ver­wal­tende Holding auszeichnet

Eine vermö­gens­ver­wal­tende Holding hält und verwaltet ausschließ­lich Vermö­gens­werte – ganz ihrer Bezeich­nung entspre­chend. Das können Unter­neh­mens­be­tei­li­gungen, Aktien, Fonds/ETFs oder auch Immo­bi­lien sein.

Als GmbH unter­liegt die vermö­gens­ver­wal­tende Holding grund­sätz­lich der Gewerbe- (ca. 14 Prozent) und Körper­schaft­steuer (ca. 16 Prozent) von zusammen 30 Prozent. Die weit verbrei­tete Annahme, dass eine vermö­gens­ver­wal­tende GmbH von der Gewer­be­steuer befreit ist und nur mit der Körper­schaft­steuer besteuert wird, ist falsch.

Ausschließ­lich Erträge aus der Vermie­tung und Verpach­tung von Immo­bi­li­en­ver­mögen können auf Antrag vom gewer­be­steu­er­pflich­tigen Gewinn abge­zogen werden und unter­liegen somit nur Körper­schaft­steuer und Soli von zusammen 15,825 Prozent. Die Voraus­set­zung für diese erwei­terte Gewer­be­steu­er­kür­zung ist, dass das Unter­nehmen ausschließ­lich vermö­gens­ver­wal­tend tätig ist. Das ist im Gesetz (GewStG § 9 Kürzungen Abs. 1 Satz 2) auch deut­lich ausge­drückt: “[…] auf Antrag bei Unter­nehmen, die ausschließ­lich eigenen Grund­be­sitz oder neben eigenem Grund­be­sitz eigenes Kapi­tal­ver­mögen verwalten und nutzen […], die Kürzung um den Teil des Gewer­be­er­trags, der auf die Verwal­tung und Nutzung des eigenen Grund­be­sitzes entfällt.”

Neben der Verwal­tung von Immo­bi­li­en­ver­mögen ist also noch die Verwal­tung von Kapi­tal­ver­mögen erlaubt, jedoch keinerlei gewerb­liche Tätig­keiten. Da ausschließ­lich Erträge aus Vermie­tung und Verpach­tung eigenen Grund­be­sitzes gekürzt werden, unter­liegen die Erträge aus der Verwal­tung vom Kapi­tal­ver­mögen weiterhin der vollen Besteue­rung in Höhe von ca. 30 Prozent.

Worin die Einschrän­kungen der vermö­gens­ver­wal­tenden Holding bestehen

Der Ausschluss jegli­cher gewerb­li­cher Akti­vi­täten bedeutet eine enorme Einschrän­kung: Da Einrich­tungs­ge­gen­stände wie Möbel oder eine Küche nicht zum Grund­be­sitz gehören gilt ihre Vermie­tung als gewerb­lich und verbaut die Gewerbesteuerkürzung.

Für mich ist diese Einschrän­kung zu groß, zumin­dest für die Holding, die meine Anteile an der Operativ-GmbH hält. Da brauche ich mehr Frei­raum und Flexi­bi­lität. Ich möchte in der Lage sein, mit meiner Holding-GmbH auch mal eine Rech­nung zu stellen, wofür auch immer.

Wenn nun aber die erwei­terte Gewer­be­steu­er­kür­zung nicht infrage kommt, worin liegt dann der Vorteil einer rein vermö­gens­ver­wal­tenden Holding? Ich sehe keinen! Ob ich in der Holding auch gewerb­liche Erträge habe oder nur Erträge aus der Vermö­gens­ver­wal­tung, die Besteue­rung liegt bei 30 Prozent.

Aber die vermö­gens­ver­wal­tende Holding hat einen Nach­teil: Sie gilt nicht als Unter­nehmer, erbringt nur umsatz­steu­er­be­freite Leis­tungen und kann somit keine Vorsteuer geltend machen.

Daher bevor­zuge ich, dass die Holding-GmbH, die die Anteile an der Operativ-GmbH hält, keine rein vermö­gens­ver­wal­tende Holding ist, sondern auch gewerb­liche Tätig­keiten erbringt. Dafür eignet sich etwa das Manage­ment der Operativ-GmbH über eine Geschäfts­be­sor­gung, auch Manage­ment-Holding genannt. Diese gewerb­li­chen Tätig­keiten recht­fer­tigen den über­wie­genden Vorsteu­er­abzug (mit der Einschrän­kung, dass dieje­nigen Kosten, die ausschließ­lich durch die Vermö­gens­ver­wal­tung begründet sind, nicht vorsteu­er­ab­zugs­be­rech­tigt sind – aber das erlaubt einen gewissen argu­men­ta­tiven Spielraum).

Wann zusätz­lich eine vermö­gens­ver­wal­tende Holding sinn­voll ist

Wenn die Vermie­tung und Verpach­tung von Immo­bi­li­en­ver­mögen hinzu­kommt, sollte neben der ersten Manage­ment-Holding zusätz­lich eine weitere, ausschließ­lich vermö­gens­ver­wal­tende Holding gegründet werden. Verwaltet die Holding ausschließ­lich Immo­bi­li­en­ver­mögen ohne weiteres Kapi­tal­ver­mögen, wird sie auch Immo­bi­lien-GmbH oder Immo­bi­lien-Holding genannt.

Dabei sollten die nach der erwei­terten Gewer­be­steu­er­kür­zung nur mit der Körper­schaft­steuer besteu­erten Erträge aus der Vermie­tung und Verpach­tung nicht an eine Mutter­ge­sell­schaft ausge­schüttet werden. Anteile an einer Immo­bi­lien-GmbH sind für eine Mutter­ge­sell­schaft, etwa eine vermö­gens­ver­wal­tende GmbH, ‘normales’ Kapi­tal­ver­mögen, auf dessen Erträge nicht die Gewer­be­steu­er­kür­zung geltend gemacht werden kann. Hat die Tochter-Immo­bi­lien-GmbH auf die Erträge keine Gewer­be­steuer gezahlt, müssten diese Erträge nach Ausschüt­tung an die Mutter bei dieser zur Ermitt­lung der Gewer­be­steuer hinzu­ge­rechnet werden. Die erwei­terte Gewer­be­steu­er­kür­zung würde damit zurück­ge­nommen und hätte nur einen Stundungseffekt.

Warum die Gewer­be­steuer nach der Kürzung wieder hinzu­ge­rechnet wird, lässt sich einfach verstehen: Die Gewer­be­steu­er­be­freiung auf die Ausschüt­tungen der Operativ-GmbH begründet sich ja darauf, dass die Gewinne schon in der Operativ-GmbH mit der Gewer­be­steuer besteuert wurden. Damit wird die Doppel­be­steue­rung vermieden. Wurde auf die Gewinne in der Tochter jedoch keine Gewer­be­steuer gezahlt, fällt die Gewer­be­steuer bei der Ausschüt­tung an die Mutter an.

Da die Gewinne aus der Immo­bi­lien-GmbH nicht an eine Mutter ausge­schüttet werden sollten, braucht sie auch keine Mutter. Daher sollte die Immo­bi­lien-GmbH nicht als Tochter der Manage­ment-Holding oder einer vermö­gens­ver­wal­tenden Holding aufge­setzt werden, sondern neben dieser.

Neben bedeutet, dass du persön­lich alle Anteile der vermö­gens­ver­wal­tenden Holding oder Immo­bi­lien-Holding hältst, so wie du auch alle Anteile der Operativ-GmbH persön­lich hältst.

Abbil­dung: Mehrere Holdings nebeneinander

Daher sehe ich keinen Vorteil, wenn die Immo­bi­lien-GmbH eine Tochter meiner Manage­ment-Holding ist. Und wenn es keinen Vorteil gibt, ist es besser eine Verflech­tung zu vermeiden.

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